Nicolai Sind wir zu verletzlich geworden?
„Die vulnerable Gesellschaft“ von Frauke Rostalski
mit Nicolai Raab & Nils Heese
Eine Kooperation mit der Fouqué-Bibliothek
Im Mittelpunkt steht ein Buch, das eine unbequeme Frage stellt: Schützen wir uns – oder schränken wir uns ein? Frauke Rostalskis „Die vulnerable Gesellschaft. Die neue Verletzlichkeit als Herausforderung der Freiheit“ (C.H. Beck, 2024), nominiert für den Deutschen Sachbuchpreis, diagnostiziert eine schleichende Werteverschiebung: Mehr und mehr scheint unsere Gesellschaft bereit, individuelle Freiheit zugunsten eines gesteigerten Schutzbedürfnisses aufzugeben.
Die Kölner Rechtsprofessorin und Mitglied des Deutschen Ethikrates zeigt, wie tief Vulnerabilität bereits ins Recht eingeschrieben ist – von Pandemieregeln über sexuelle Selbstbestimmung bis zum Schutz vor Diskriminierung. Ihr Argument ist kein konservatives Reflexes gegen Sensibilität, sondern ein juristisch geschärfter Einwand: Jedes Mal, wenn der Staat Schutz gewährt, verlieren alle Seiten ein Stück Freiheit – auch die Vulnerablen selbst.
Die Folge fragt nach, wo Rostalskis Analyse überzeugt – und wo sie zu kurz greift. Ist „Diskursvulnerabilität“ wirklich ein Problem, das offene Debatten blockiert? Und wie lässt sich das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Verletzlichkeit aushalten, ohne es vorschnell aufzulösen?
Ein Gespräch über Resilienz, Rechtsstaat und die Frage, wie viel Schutz eine freie Gesellschaft verträgt.
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